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Tor 3: Das große Ziel ist Tokio

bottrop.sport öffnet Tore: Die Spitzensportler unserer Stadt

In seiner Sitzung am 24. November machte der Rat der Stadt Bottrop den Weg frei für ein Förderkonzept für den Spitzensport. Mit Hilfe von Sponsorengeldern sollen Talente aus Bottroper Vereinen gezielt unterstützt werden. So soll dem Spitzensport in Bottrop langfristig eine Heimat gegeben werden. Wer aber sind Bottrops Spitzensportler und welche aufstrebenden Talente gibt es in dieser Stadt? In unserem Adventskalender wollen wir bis Heiligabend täglich einen Bottroper Spitzensportler vorstellen. Judoka Hamsat Isaev versteckt sich hinter Tor 3. Der 20-Jährige träumt von den Olympischen Spielen.

Hamsat Isaev erhielt in diesem Jahr eine Einladung zur U21-WM. Foto: C. Dziwok

Hamsat Isaev hat das geschafft, wovon viele Judoka träumen. In diesem Jahr gelang dem 20-Jährigen der internationale Durchbruch. Dank starker Leistungen wurde der Nachwuchsmann des JC 66 Bottrop, der mittlerweile am Olympiastützpunkt in Köln trainiert, für die U21-Weltmeisterschaften in Abu Dhabi nominiert. Von seiner Nominierung erfuhr Isaev im August im Trainingscamp in Berlin. „Ich war einfach nur überglücklich und habe gleich in Bottrop angerufen, um die Nachricht zu verkünden“, berichtet Iseav stolz, der in der Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm auf die Tatami geht. Ausschlaggebend für die Berücksichtigung waren seine Bronzemedaille beim European Cup im litauischen Kaunas im April und der fünfte Platz beim European Cup in Wroclaw (Polen) im Juli.

Dabei schwärmte auch Hamsat Isaev ursprünglich für eine ganz andere Sportart. „Eigentlich wollte ich lieber Fußball spielen als zum Judo gehen“, erinnert sich Isaev an die Zeit vor seinem ersten Judotraining als Siebenjähriger. Sein damaliger Trainer Frank Urban erkannte jedoch schnell das Potenzial: „Hamsat kam mit seinem älteren Bruder Ramzan zum Training. Beide hatten von Anfang an großen Spaß am Kämpfen.“ Auf kleinen Turnieren sammelte der junge Bottroper schnell Erfolge. Seine erste Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft holte er 2010 als 15-Jähriger am Nürburgring. Danach ging es steil bergauf. Wenig später wurde er dank seiner guten Platzierungen in den NRW-Kader berufen und seit Anfang 2014 gehört er dem Bundeskader an.

Bewusste Entscheidung für den Leistungssport

Trainer Sven Helbing riet Hamsat Isaev zum Schritt in den Leistungssport. Foto: C. Dziwok

Dabei war längst nicht immer klar, dass sich Isaev der Herausforderung des Leistungssportes stellen würde. JC 66 Männertrainer Sven Helbing - selbst mehrfacher Deutscher Meister - erinnert sich: „Nach einer verletzungsintensiven Zeit vor knapp zwei Jahren stand die Karriere an einem Wendepunkt. Hamsat musste sich entscheiden, welchen Weg er gehen möchte und ob er sich zu hundert Prozent für den Leistungssport entscheidet. Wir haben damals viele intensive Gespräche geführt und Vor- und Nachteile abgewogen. Ich bin froh und stolz auf ihn, dass er sich für den Bundesstützpunkt entschieden hat, der ihm optimale leistungssportliche Bedingungen bietet. Der Erfolg gibt ihm und uns Recht. Die Entscheidung war richtig.“

Herausforderung Duale Karriere

So zog es ihn nach dem Abitur am Heinrich-Heine-Gymnasium 2013 schließlich nach Köln, wo er sich seitdem der Herausforderung einer dualen Karriere stellt. Während er am Olympiastützpunkt Rheinland von U23-Bundestrainer Daniel Gürschner betreut wird und intensiv an seiner Karriere als Leistungssportler arbeitet, widmet er sich parallel dazu dem Studium der Elektrotechnik. Die Bedingungen am Olympiastützpunkt sind dafür optimal und dank der Unterstützung der Laufbahnberater auch mit dem Studium vereinbar. „Es wurde ein individueller Plan für mich entwickelt. Mein Stundenplan für das Studium und mein Trainingsplan wurden aufeinander abgestimmt, sodass ich trotz des vielen Trainings am Tag noch genug Zeit habe, um zu lernen und somit mein Studium nicht zu vernachlässigen“, erzählt Isaev, für den rund 14 Judoeinheiten pro Woche auf dem Plan stehen. Dazu kommen Lauf- sowie judospezifische Kraft- und Zirkeltrainings. „Ich trainiere immer vor, nach und zwischen den Vorlesungen. Das ist zwar anstrengend, aber es macht nach wie vor enormen Spaß, vor allem seitdem ich international erfolgreich kämpfe.“

Auch das Reisen gehört zum Alltag des Leistungssportlers dazu. So ging es im Rahmen der WM-Vorbereitung nach Moskau und nach Frankreich. Durch diese internationalen Vergleiche bei den Trainingswettkämpfen (Randori) wird die Intensität hoch gehalten. Nicht zuletzt ging es schließlich im Oktober zur U21-WM nach Abu Dhabi. Dort ereilte das Bottroper Toptalent zwar schon in der ersten Runde das Aus gegen Saidmukhtor Rasulov (Tajikistan), doch schon allein die Teilnahme bedeute für Isaev einen Meilenstein und eine weitere wichtige internationale Wettkampferfahrung.

Trainingsfleiß als Erfolgsrezept

Die Erfolgsgeschichte des 20-Jährigen ist derweil auch ein Erfolg für Bottrop: „Ich bin stolz auf einen jungen Athleten, der von Kindesbeinen an in Bottrop seinen Weg zum Spitzensportler erfolgreich gemeistert hat“, äußerte sich Oberbürgermeister Bernd Tischler anlässlich der WM-Nominierung. Landesstützpunkttrainer Frank Urban kennt das Erfolgsrezept seines langjährigen Schützlings: „Hamsat zeichnet sich durch seinen unglaublichen Trainingsfleiß aus. Häufig legt er zusätzliche Trainingseinheiten ein. Er verabredet sich mit seinem Trainingspartner macht einfach ein Stunde Judo.“

Und obwohl Isaev mittlerweile in Köln lebt, bleibt er seinem Heimatverein treu. Regelmäßig trainiert er am Freitagabend beim JC 66, um im Anschluss die Familie in Bottrop zu besuchen. Nicht zuletzt ist er Leistungsträger im Männerteam, mit dem er in diesem Jahr die Rückkehr in die Bundesliga feierte. In neun seiner zehn Kämpfe ging er als Sieger von der Matte und hatte damit einen großen Anteil am Aufstieg. „In den Bundesligakämpfen kann er nicht nur jeden Gegner schlagen, sondern sich auch auf höchstem Niveau mit den besten Kämpfern messen. Auch internationale Topleute bekommt er da als Prüfstein vorgesetzt und kann sich so stetig entwickeln und wertvolle Erfahrungen sammeln“, freut sich auch Teammanager Volker Tapper. Im kommenden Jahr kann sich Isaev dann auch wieder in der Bundesliga, der vermeintlich stärksten Judoliga der Welt beweisen.

Das Fernziel heißt Olympia

Doch bis zum Bundesligastart vergeht noch einige Zeit. Vorab stehen für Hamsat Isaev zahlreiche hochkarätige Einzelturniere auf dem Programm. Los geht es mit den Deutschen Einzelmeisterschaften in Hamburg, die Ende Januar über die Bühne gehen. „Da will ich um eine Medaille kämpfen“, betont Isaev, für den das Olympiajahr 2016 auch ein Übergangsjahr darstellt: „Mein primäres Ziel ist es, bei den Senioren anzukommen. Darüber hinaus gilt es sich international zu behaupten und wichtige Erfahrungen zu sammeln, um langfristig in der Spitze anzukommen.“ Und natürlich lebt auch Hamsat Isaev den Traum eines jeden Leistungssportlers: „2020 möchte ich in Tokio bei den olympischen Spielen mein Können beweisen. Der Weg dahin ist noch lang, aber genau diesen gilt es nun anzugehen und zu bewältigen.“ Ein Bottroper bei Olympia? Auf die Unterstützung seines Heimatvereins kann sich Isaev auch zukünftig verlassen. JC 66 Präsident Detlef Kaziur betont: „Wir werden ihm weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen und unterstützen, wo wir nur können.“

Text: Henning Wiegert / JC 66 Bottrop

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