Tor 8: Der Antrieb kommt von Innen
bottrop.sport öffnet Tore: Die Spitzensportler unserer Stadt
Als sich Leonie Schuknecht in diesem Sommer mit gerade einmal 13 Jahren zur Bottroper Tennis-Stadtmeisterin in der offenen Klasse krönte, trat sie in große Fußstapfen. Ein derartiges Kunststück war bis dato nur einer Bottroper Tennisspielerin gelungen. 1989 war Daniela Kalthoff sogar noch einige Monate jünger, als sie zu Meisterehren kam. Zwar verzichtete Kalthoff später darauf, es auf der Profitour zu versuchen, legte aber als Dritte bei den Deutschen Meisterschaften der U18 und als langjährige Bundesligaspielerin beim Lintorfer TC dennoch eine eindrucksvolle Karriere hin. Noch heute wird die 39-Jährige auf Rang 116 der deutschen Rangliste geführt. Nicht wenige trauen auch Leonie Schuknecht eine solche Karriere zu.
„Von mir hat sie das Talent allerdings nicht“, gibt Vater Markus Schuknecht mit einem Augenzwinkern zu. Einen nicht unerheblichen Anteil am steilen sportlichen Aufstieg der Tochter haben aber auch er und Ehefrau Sandra, die Woche für Woche unzählige Kilometer im Auto absolvieren, um die Tochter zu den fünf wöchentlichen Trainingseinheiten zu chauffieren. Hinzu kommen die regelmäßigen Turnierteilnahmen in ganz Nordrhein-Westfalen und teilweise auch über die Landesgrenzen hinaus. Trainiert wird unter den Augen der Verbandstrainer in Essen, bei der Tennisakademie IGTA, mit dem Nachwuchskader des TC Bredeney, wo Schuknecht im kommenden Jahr in der U18-Niederrheinliga spielen wird, und natürlich bei ihrem TV Blau-Weiß Bottrop.
Geerbt hat Leonie Schuknecht das Talent von ihrem Großvater. Heiner Gronert gehörte in den 60er und zu Beginn der 70er Jahren zu den besten Tennisspielern im Ruhrgebiet. Auch er wurde vier Mal Stadtmeister. „Schade, dass er Leonies Entwicklung auf dem Tennisplatz nicht mehr erleben kann. Er hätte viel Freude daran gehabt, sie zu den Trainingseinheiten und den Turnieren zu begleiten“, so Sandra Schuknecht.
Leistungsexplosion in den vergangenen zwölf Monaten
Besonders in den vergangenen zwölf Monaten hat Leonie Schuknecht einen großen Schritt in ihrer sportlichen Entwicklung gemacht. Neben dem Stadtmeistertitel und dem Erfolg beim Wilczok-Pokal wurde sie im November Zweite bei den Verbandsmeisterschaften der U14-Juniorinnen in der Halle. Erst im Endspiel hatte sie gegen Mina Hodzic, die im Sommer Deutsche Meisterin bei den U13-Juniorinnen geworden war, knapp das Nachsehen. Vor zwei Wochen feierte sie bei einem Ranglistenturnier in Köln in der U16-Konkurrenz nicht nur den Turniersieg, sondern besiegte auf dem Weg in das Endspiel erstmals auch eine Spielerin mit der Leistungsklasse 1. In der deutschen Rangliste ihrer Altersklasse U14 wird Schuknecht momentan auf Platz 47 geführt. Im Sommer absolvierte sie zudem einige Einsätze auf der Tennis Europe Junior Tour und sammelte außerdem internationale Erfahrungen bei ihren Gastspielen für das niederländische Team des TV Didam.
Fester Bestandteil in der Verbandsliga
Dabei geht der Leistungssprung auch mit der Integration in das Damenteam des TV Blau-Weiß einher. Seit der Wintersaison 2014/15 lehrt sie in den Medenspielen der Damenkonkurrenz ihren Gegnerinnen regelmäßig das Fürchten und ist aus dem Verbandsligateam längst nicht mehr wegzudenken. Im Sommer blieb sie in der 2. Verbandsliga ungeschlagen. „Durch Leonie ist die Trainingsqualität deutlich gestiegen. Sie gibt immer 110 Prozent und nie einen Ball verloren. Außerdem hat sie auch auf die besten Bälle oft eine Antwort parat. Das bringt einen immer wieder zur Verzweiflung, aber genau deshalb sind wir ja auch so froh, dass sie für uns spielt“, so die erfahrene Teamkollegin Wiebke Hamel. „Das sonntägliche Training mit den Damen ist sicherlich Leonies Lieblingseinheit. Da ist der Funfaktor einfach am größten. Sie ist dort wirklich toll integriert worden“, schwärmt Sandra Schuknecht. Dank ihres Ehrgeizes und ihres Talents hat Leonie Schuknecht ihre Mitspielerinnen sportlich allerdings längst überholt und ist auch in der teaminternen Hierarchie nach vorne gerückt. Im Sommer soll sie als neue Nummer zwei hinter der Niederländerin Elke Tiel eine entscheidende Rolle einnehmen, wenn es darum geht in der 2. Verbandsliga den Aufstieg ins Visier zu nehmen. Begeistert ist Wiebke Hamel vor allem von dem Einsatzwillen der 14-Jährigen: „Leonie tut wirklich einiges für das Tennisspielen und das Schöne ist bei ihr, dass der Antrieb von ihr selber kommt und sie einfach nicht müde zu bekommen ist.“
Die nächsten Schritte sollen folgen
Dank dieses Antriebes dürfte das Bottroper Toptalent der lokalen Konkurrenz auf vorerst nicht absehbare Zeit enteilen. Es sei denn auch Altmeisterin Daniela Kalthoff kehrt noch einmal auf die Bühne der Tennis-Stadtmeisterschaften zurück. Das Duell der Generationen – es wäre wohl ein Zuschauermagnet. „Ich hätte mich gerne mit ihr gemessen“, äußerte sich Schuknecht bereits im vergangenen Sommer vor ihrem Triumph bei den Stadtmeisterschaften. Eines wird dabei deutlich: Leonie Schuknecht scheut keine Herausforderung.
Im kommenden Jahr sollen dann die nächsten Schritte folgen. Es gilt die gute Ranglistenposition in der neuen Altersklasse U16 zu verteidigen und sich Stück für Stück weiter zu entwickeln. „Wir wollen das Ganze aber auch nicht überstrapazieren. Schließlich kann sie nur Erfolg haben, wenn sie weiterhin Spaß an der Sache hat. Außerdem ist es wichtig, dass sie verletzungsfrei bleibt“, weiß Mutter Sandra. Möglicherweise folgt 2016 dann auch ein erster Testlauf bei einem ITF-Turnier. Der Weltrangliste käme Leonie Schuknecht so schon einmal einen Schritt näher. Doch der Weg dahin ist noch weit, denn die Konkurrenz ist groß. Zu lukrativ ist der Traum von einer Karriere als Tennisprofi.
Text: Henning Wiegert

